Ins blühende Leben kriechen

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Was vom Outing übrig bleibt

 

Der ehemalige Profifußballer Thomas Hitzlsperger hat sich als erster Bundesligaspieler als schwul geoutet. Die Medien überschlagen sich. Aber was bleibt nach dem Hype?

Die mediale Ekstase bezüglich Thomas Hitzlspergers Outing steuert zielsicher am Skandal dieses Bekenntnisses vorbei: Seine Notwendigkeit und Besonderheit.

Was haben wir nicht schon alles gehört zur Begründung und Relativierung der Homophobie im Fußball. Es sei halt ein Männersport, da gehe es auch mal rauer zu, auch verbal. Und ähnlichen Unsinn, der nur entlarvt, was diese Gesellschaft zu großen Teilen immer noch über Homosexuelle und ihre Rolle in selbiger denkt. Homosexuelle Männer sind per se unmännlich, für die harte Auseinandersetzung nicht geschaffen und haben in der Männerdomäne Fußball nichts zu suchen. Womit dann nebenbei der Frauenfußball gleich mit diskreditiert wird, obwohl auf internationaler Ebene weitaus erfolgreicher. Homosexuelle werden unter Umständen geduldet, manchmal sogar als Fans, aber auf dem heiligen männlichen Rasen haben sie nichts zu suchen. Akzeptanz?! Fehl am Fußballplatz, wie in weiten Teilen der Gesellschaft. Auch wenn wir immer wieder gerne so tun, als sei es anders. Denn was in der medialen Hysterie um Hitzlspergers Outing niemand erwähnt: Fußball ist der Massensport in Deutschland und Europa. Die Homophobie im Stadion ist Volkes Stimme jenseits vom politisch korrekten Sprachgebrauch der Medien und der politischen Klasse.

Thomas Hitzlsperger bricht mit seinem Outing das unausgesprochene Don´t Ask Don´t Tell Tabu im Fußball, indem er sich ziemlich offensiv zu seiner Homosexualität bekennt. Er verschweigt weder die Probleme, die die meisten homosexuellen Männer auch heute noch haben, sich ihre sexuelle Orientierung einzugestehen, noch redet er die Zustände im Fußball klein. Und dankenswerterweise liest sich das, was bis jetzt aus dem Interview veröffentlicht wurde (es ist leider online nicht frei zugänglich)auch erfrischend opferrollenfrei. Vielleicht gelingt es Hitzlsperger sogar wirklich das Thema Homosexualität im Spitzensport voranzutreiben. Immerhin hat er sein Outing gut vorbereitet. Er hat als ZEIT Kolumnist eine große Zeitung in seinem Rücken, nebst zwei Redakteuren, die mit ihm das Outing vorbereitet haben und er kann sich sicherlich auch den DFB verlassen, der nun Wort halten muss, jeden Homosexuellen Fußballer zu unterstützen der seine Sexualität offen macht. Aber wird dieses Outing für den gewöhnlichen Schwulen wirklich etwas ändern, so wie es die unzähligen jubelnden Promi – Kommentare im Netz auf facebook, twitter und Konsorten vermuten lassen? Wohl kaum. Auch wenn die Presse fast schon selektiv nur positive Reaktionen verbreitet.

Thomas Hitzlsperger mag der erste Fußballprofi sein, der sich outet, aber er ist bei Weiten nicht der erste Prominente der dies tut. Und was haben alle Bekenntnisse ob freiwillig oder unfreiwillig von Biolek und Kerkeling über Wowereit und Westerwelle an den realen Diskriminierungen Homosexueller im alltäglichen Leben geändert? Nicht viel. Jedenfalls im konkreten Bezug. Die Homophobie in Deutschland ist immer noch weit verbreitet. Schwul feiert als Schimpfwort auf den Schulhöfen eine Renaissance, homophobe Gewalttaten nehmen wieder zu, besonders in sogenannten Szenebezirken und der schwule Bauarbeiter wird bei einem Outing wahrscheinlich auch kein freundliches Schulterklopfen ernten. Schwule Paare überlegen auch heute noch genau, wo und wann sie sich küssen oder Hand in Hand gehen. Die Krux am Promi – Outing ist seine Sonderstellung. Es findet nur medial und nicht inmitten der gesellschaftlichen Alltäglichkeit statt. Akzeptanz von Homosexuellen wird es breit aufgestellt nur geben, wenn diese (auch kämpferisch) von den Homosexuellen selbst in ihrem Umfeld gefordert wird. Da bedeutet dann meist weniger ein großes Bekenntnis, als dauerhaft sichtbar zu sein, Ausgrenzung auszuhalten und Respekt mutig einzufordern. Dass dies überaus nervenaufreibend und schwierig sein kann zeigt die Tatsache, dass Thomas Hitzlsperger sich dazu entschieden hat, sein Outing erst nach seinem Karriereende zu wagen. Leider, aber auch verständlicherweise. Leider, weil sein Outing als aktiver Profi, den patriarchalen Sammelplatz Fußballstadion nachhaltig zur Auseinandersetzung gezwungen hätte, und somit, anders als bei sonstigen Promioutings,  ins politisch unkorrekte Zentrum  dieser Republik (so er dann in Deutschland gespielt hätte)getroffen hätte. Verständlich, weil niemand verlangen kann, dass sich jemand den zu erwartenden Reaktionen aussetzt. Den Shitstorm in den Fußballforen im Netz kann Hitzlsperger ausweichen. Bei jedem Spiel als schwule Sau beschimpft zu werden oder bei Betreten des Rasen ausgepfiffen zu werden nicht. Unerträglich der Gedanke, dass ein Leben voller Selbstverleugnung leichter zu ertragen ist, als den Druck auszuhalten, der jemanden erwartet, der lediglich sagt, wie er liebt.

Das alles soll Thomas Hitzlspergers Schritt nicht schmälern. Aus dem Kontext aus dem er kommt, gehört immer noch eine Menge Mut dazu. Und er ist trotz allem bisher Erwähnten wichtig. Wichtig als Vorbild für alle versteckt lebenden homosexuelle Männer, sich sichtbar zu machen. Ermutigend für diejenigen Schwule, die dies jeden Tag tun und täglich mit unbewusster wie bewusster Diskriminierung und Diskreditierung umgehen. Der Kampf um Akzeptanz wird aber an der ganz gewöhnlichen Alltagsfront geführt und nicht in den Talkshows dieser Republik, vor deren Einladungen sich Thomas Hitzlsperger sich nun kaum retten können wird. Es bleibt abzuwarten, wie Hitzlsperger seine bewusst eingenommene Vorbildfunktion in Zukunft einnehmen wird. Ob er als Talkshowgast durch die Fernsehstudios reist, in der ZEIT zum Berufshomosexuellen wird, oder ob er mit dem DFB in die Vereine geht. Und ich würde mir sehr wünschen, dass er es immer wieder schafft auch klar zu machen, dass er ganz viel ist, aber eben auch homosexuell.

Vielleicht, in einer hoffentlich nahen Zukunft, regen sich die Medien dann darüber auf, dass sich Menschen überhaupt zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen müssen. 

Berliner Kurier macht mit „Kopftuchmord“ auf

Anfang dieses Jahres wählte eine Jury von Sprachkritikern das Wort „Döner-Morde“ zum Unwort des Jahres 2011. Den Berliner Kurier kümmert das wenig.

„Mit der sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypischen Etikettierung einer rechts-terroristischen Mordserie würden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und die Opfer selbst in höchstem Maße diskriminiert, indem sie aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert werden“, hieß es in der Begründung der Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache als sie „Döner-Morde“ zum Unwort des jahres 2011 kürten. Bereits 2009 war sich Thilo Sarrazin nicht zu schade den rassistischen Begriff „Kopftuchmädchen“ als Synonym für Rückständigkeit und niedriges Bildungsniveau via Medien unters Volk zu bringen. Auch Sarrazins Wortschöpfung war nominiert für das Unwort des Jahres, unterlag aber „betriebsratsverseucht“. Sarrazin wurde zwar von Aylin Selcuk wegen Volksverhetzung verklagt, die Ermittlungen wurden aber von der Staatsanwaltschaft wieder eingestellt. Beide Wort(un)schöpfungen sind in hohem Grade rassistisch. Ganz abgesehen von den ungeheuerlichen Behauptungen, die sie aufstellen, Einzelne Aspekte einer Bevölkerungsgruppe werden herausgepickt, abgewertet im Kontext und dann aufgebauscht und pars pro toto gesetzt.

Genau so funktioniert Fremdenfeindlichkeit. Und diese scheint als Schlagzeile immer noch Garant für guten Absatz zu sein. Der Berliner Kurier jedenfalls folgt heute der „Döner-Mord“ Tradition und macht mit einer rassistischen Schlagzeile auf:

Kopftuchmord

http://www.berliner-kurier.de/polizei-prozesse/mann-toetet-ehefrau-und-sich-familiendrama-berlin-kreuzberg,7169126,20818146.html

Berlins ehrliche Boulevardzeitung, wie sich der Berliner Kurier selbst nennt, benutzt den Begriff „Kopftuchmord“ zwar nicht als erste, bereits bezüglich der Ermordung der Ägypterin Marwa al-Sharbini war dieses Konstrukt in den Medien aufgetaucht, doch das entlastet das Blatt keineswegs. Heute hört sich der Begriff an wie eine rassistische Verschmelzung der Begriffe „Döner-Morde“ und „Kopftuchmädchen“. Und selbst wenn man diese Parallele nicht zieht, so erfüllt diese Schlagzeile immer noch  eine unzulässige Pars-Pro-Toto Setzung. Neben Rückständigkeit diskriminiert er alle Muslima, die ein Kopftuch tragen als wehrlose, unterdrückte Opfer. Ähnliche Morde in denen ein Ehemann seine Frau im Streit umbringt und dann sich selbst richtet und die leider immer wieder in regelmäßigen Abständen stattfinden, werden sonst meist als Familiendrama betitelt. Bei türkischen Migranten wird daraus ein „Kopftuchmord“.

Die Mörder der NSU wurden bei der Bundeswehr militärisch ausgebildet und dort schon durch ihre rechtsextreme Haltung auffällig. Doch nichts passierte, niemand handelte. Ich kann mich aber nicht an eine Schlagzeile erinnern, die die „Döner-Morde“ in „Bundeswehrmorde“ umbenannt hätte. Diese Form von Stammtischrassismus wie im heutigen Titel des Berliner Kuriers ist Kalkül. Dass dieses Kalkül aufgeht und verkaufsfördernd ist, sagt viel über den Alltagsrassismus dieses Landes. Dass eine solche Schlagzeile nach der Lektion „Döner-Morde“ noch möglich ist, beschämt.

Verhaltensgestörte junge Menschen in neuen T-Shirts

Eine Textperformance

Weißt Du, ich habe gestern noch ein richtiges Arbeitsgespräch mit ihr geführt. Das war unheimlich anstrengend, richtig intensiv, da kam unheimlich viel raus und ich glaube es war sehr wichtig für sie.

Ich weiß genau, was Du meinst. Auch im Job ist das ja manchmal immanent wichtig, mal so ganz konzentriert den Sachen auf den Grund gehen.

Und Positionen zu beziehen. Ganz genau hinschauen, wo man steht und das dann auch vertreten.

Aber Du musst dann auch ganz ehrlich sein und gut argumentieren.

Und diplomatisch sein.

Genau. Diplomatie ist wichtig. Man will ja niemanden verletzen.

Im Job braucht man aber auch immer ein klares Ziel das man verfolgen kann.

Im Privaten doch auch. Ein Ziel ist wichtig.

Kann man ein erfolgreiches Privatleben führen?

Es gibt ja nicht nur schwarz und weiß, sondern auch Grauzonen.

Und genau in diesen undifferenzierten Zuständen sehe ich ja die Chance für Veränderung.

Das Leben zwingt einen ja immer wieder Positionen zu beziehen.

Auch unangenehme, die vielleicht schmerzen.

Schmerz kann sehr wichtig sein.

Im Job, wie in der Beziehung.

Es gibt ja manchmal so Situationen da ist man ganz unsicher und verletzlich, steht aber voll an der Front.

Du willst dann nur weglaufen und das Leben lässt Dich einfach nicht.

Ob das irgendwann mal aufhört.

Man muss da unheimlich auf sich Acht geben.

Gut mit sich umgehen. Das haben wir einfach nicht gelernt.

Und Positionen beziehen. Wahrhaftig sein.

Ich finde ja, man muss sich auch Kraftreserven schaffen. Für diffizile Situationen. Wenn der Tank leer ist. Dein Chef will nen Output, Deine Beziehung stellt Ansprüche. Wenn Du dann in der Krise bist, brauchst Du eine Reserve, die Dich da durchbringt.

Du, da muss aber jeder seinen eigenen Weg finden.

Mein Weg ist nicht Dein Weg. Und umgekehrt.

Irgendwie ist Individualität ja auch ein kostbares Gut.

Nur,  wo beginnt da der Egoismus? Es ist eine fließende Grenze.

Und davon gibt es so viele im Leben.

Auch in der Selbstfindung.

Müssen wir nicht trotz allem manchmal einfach nur die Zähne aufeinanderbeißen und bestehen?

Da hast Du Recht. Nehmen wir uns nicht oft zu wichtig?

Ich muss Dir da widersprechen. Grundvoraussetzung andere Menschen ernst zu nehmen ist doch, dass ich mir wichtig bin. Ich will da einfach klar sein.

Kommunikation ist doch alles. Ich mein jetzt nicht nur Handys und Internet. Nein auch Gespräche. Von Mensch zu Mensch. Miteinander.

Und sich nicht in der Belanglosigkeit verlieren.

Oberflächlichkeit ist doch die Geißel unserer Zivilisation. Unser Überlebenskampf hat sich da irgendwie total verlagert.

Genau meine Meinung. Ich hatte da letztens so ne total abgefahrene Erfahrung im Wald mit ner Gruppe von Leuten. Kannte die alle irgendwie vom Job und so. Wie man sich halt so kennt. War super tiefgehend und strange. Nur so unter Männern im Wald, n ganzes Weekend. Da hast Du mal wieder so richtig den Jäger in Dir gespürt.

Das kannst Du dann in der Beziehung aber doch nicht ganz so 1:1 umsetzen.

Aber er hat schon Recht. Man muss manchmal so ganz knallhart Back To The Roots.

Im Job muss man ja auch Stärke zeigen und manchmal die Führung übernehmen.

Ich glaube ja auch, dass es machbar ist, die Urkräfte in uns auf unser modernes Leben zu übertragen.

Alles eine Frage der Motivation.

Im Job, wie in der Beziehung.

Letztendlich bist du doch immer die Summe aller Teile.

Ja, und auch das, was Dich umgibt und Dir widerfährt, gehört irgendwie zu Dir.

Ist das dann ein Zeichen von Unklarheit, wenn es nicht so läuft wie ich es will?

Find ich schon. Man muss für sich selbst die Verantwortung übernehmen.

Mich killt jetzt einer. So amokmäßig oder so. Dann bin ich selbst schuld?

Schwierige Frage. Vielleicht wolltest Du gar nicht mehr leben und hast es nur nicht gewusst.

Und hättest verpennt, wenn Du weiterleben wolltest und lägst noch im Bett und kriegst einfach nur nen Anschiss in der Firma.

Oder zuhause einen geblasen.

Qualifizierte Zwischenbemerkung.

Fick Dich selbst.

Jetzt mal im Ernst. Wenn ich beim Sex sag was ich will, krieg ich es noch lange nicht so gemacht.

Achte da mal auf Deine Wortwahl. Du willst es gemacht bekommen. Das ist irgendwie so passiv.

Gibt ja auch Zeiten, da will man auch passiv sein.

Kann man eigentlich aktiv passiv sein?

Beim Sex?

Ich glaube, man kann es zumindest aktiv bestimmen, für einen gewissen Zeitraum passiv zu sein.

Ja, und dann lässt Du es halt ganz passiv auf Dich zukommen, wann Dich die Aktivität wieder ins Leben kickt.

Abgefahren.

Braucht man aber irre viel Klarheit für.

Und Offenheit

Wenn Du Dir nen guten Draht zu Deinem individuellen Fahrplan erarbeitest, kann das echt funktionieren.

Ich glaub da ja mehr ans Unbewusste.

Siehst Du da nen Widerspruch?

Im Job, wie in der Beziehung.

Past-Present-Future. Das ist die Dreifaltigkeit unserer Zivilisation.

Musst Du aber auch zusammenbringen.

Ein Part übernimmt da immer die Führung.

Ist doch aber auch OK. Im Job gibt es auch immer einen, der die Führung übernimmt.

Und wenn Du Deine Parts auf Linie hast, bist Du das nämlich.

So eine Führungspersönlichkeit kommt von innen heraus. Das merken die anderen

Wir sind doch gar nicht mehr in der Lage uns anderen so zu zeigen wie wir sind, uns zu offenbaren in unserer anonymen Gesellschaft.

Wer kennt schon noch seinen Nächsten.

Den man ja lieben soll.

Ich glaube ja die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei.

Im Job, wie in der Beziehung.

So richtig durchstarten, das funktioniert doch nur noch im Team.

Es gibt immer einen Leader, der extra absahnt.

Man muss für sich selbst erfolgreich sein.

So ein Bewusstsein macht Dich irgendwie auch irre unabhängig.

Hat schon auch was mit Dualität zu tun.

Oben und unten.

Schwarz und weiß.

Im Job, wie in der Beziehung.

So richtig kompliziert wird es doch erst, wenn Du Dich im Job verliebst. Da knallen doch zwei ganz wichtige Lebensbereiche so richtig aufeinander und bringen alles durcheinander. Das musst Du erst einmal schaffen, Emotionalität von Professionalität abzugrenzen.

Voll die Gradwanderung. Eigentlich kannst Du da nur verlieren.

Aber wenn Du wirklich liebst, das gibt Dir doch eine unglaubliche Kraft. Da kannst Du ganz viel schaffen. Und Du strahlst unheimlich viel Positives aus.

Und das kommt ja auch dem Team zugute.

Man braucht da halt einen Anker für die rosarote Wolke.

Und den kannst Du Dir auch mental erschaffen.

Wenn Du ganz klar bist, ist Liebe gar nicht so verwirrend.

Du musst Dir eben im Klaren sein, dass Du diese Liebe auch verdienst.

Ja, klar. Ich bin ein echt cooler Typ und werde geliebt. Hey, leb das erst mal.

Also, so negativ wie Du da rangehst, kann das auch nichts werden.

Klar gibt es da auch Rückschläge.

Rückschläge können einen aber auch weiterbringen, wenn man sie annimmt.

Im Job, wie in der Beziehung.

Haben wir in unserer modernen Gesellschaft nicht gerade auch deswegen solche Beziehungsprobleme, weil wir die Auseinandersetzung fürchten.

Da sind ja wohl eher unsere Bindungsängste für verantwortlich.

Da stellt sich mir die Frage: Sind wir nicht mittlerweile viel zu komplex und kompliziert, um uns zu binden?

Macht das überhaupt noch Sinn, so langfristig?

Auf den Punkt gebracht beraubt uns die Zivilisation der Liebe.

Wo bleibt denn da Deine Eigenverantwortung?

Na ja, früher, so als Bauern, da war das Team ja noch zuhause.

Da gab es nur einen Bereich, um den man sich kümmern musste. Das war viel einfacher.

Im Job, wie in der Beziehung

Als Tiere wären wir doch viel glücklicher. Auf unsere Instinkte reduziert. Essen, Schlafen, Sex.

Wir würden wirklich gewinnen, wenn wir unseren Instinkten wieder mehr Raum gäben.

Ja unsere Sexualität ist doch ganz oft so abgekoppelt.

Wir trennen viel zu viel. Auch diese Trennung von Öffentlichem und Privatem. Da sind uns die Medien weit voraus.

Außer, Du vögelst im Park.

Qualifizierte Zwischenbemerkung.

Man muss doch aber auch in der Lage sein, mal über die dunkle Seite der Sexualität zu sprechen.

Im Job, wie in der Beziehung.

Ich finde Sex wird total überbewertet. Essen ist ja auch keine Erfahrung, sondern reine Instinktbefriedigung.

Essen kann durchaus zur Erfahrung werden, wenn Du es dazu machst.

Jeder hat da doch seine eigene Wertetabelle.

Das ist jetzt so mathematisch.

Da können auf einmal Sachen in deinen persönlichen Top 10 erscheinen, die vorher total unwichtig waren.

Und auch wieder verschwinden.

Wie in den richtigen Charts.

Wo aber bleibt da die Konstanz?

Ich glaube das konstante Moment haben wir nun wirklich verloren. Aber können wir zurück?

Vielfalt kann doch auch eine Konstanz darstellen.

Unsere eigene Komplexität trifft auf einen komplexen Raum.

Wo aber bleibt die Ruhe.

SCHWEIGEN

Ich habe da gestern noch was brachial aufregendes erlebt. Das hat mich irgendwie auch total verändert. Ich seh jetzt viele Sachen ganz anders. Auch so auf meine eigene Geschichte bezogen. Darf man ja auch nicht vergessen, wo man so herkommt. Also, ich hatte da so ein Gespräch mit ner Freundin. Und die hatte sich gerade getrennt und war ganz verwirrt und konnte das gar nicht jetzt so einsortieren im Moment. Sie wollte jetzt dann so n Rat von mir, wie sie denn damit umgehen soll. Ich allerdings war grad in nem ganz anderen Kosmos gefangen, so voll aufm Jobtrip und war noch mit ganz vielen Spin-Off-Projekten beschäftigt. Das war voll der Konflikt, ich war ja eigentlich gar nicht bereit mich jetzt so voll einzulassen auf ihre Geschichte. Und dann hab ich gedacht: Hey, alles eine Frage der Motivation. Machst Du im Job ja auch, wenn es schwierig wird. Sich motivieren, mein ich, damit es klappt. So zielgerichtetes Wollen und so.

Schnauze (aus dem OFF)

Freundschaft, ja so ne richtige Freundschaft ist soo schön, wenn Du Dich echt auch mal auf jemand anderen einlässt, ohne diese sexuellen Hintergedanken.

Schnauze (aus dem OFF)

Oder nimm mal die Musik.  So ein guter Beat. Wenn Du den richtig körperlich spürst und der so durch deine Gehirnwindungen saust und Du gar nicht anders kannst, als das sofort auch in Bewegung umzusetzen und sich Dein Denken völlig ausschaltet. Du auf Deinem ganz eigenen Trip …

EIN SCHUSS

Ich glaub ja, auch der Tod ist irgendwie einfach nur eine Veränderung.

ENDE

Baggert uns nicht an

Vertreibung Für den Bau eines Factory Outlet Centers will die Stadt Duisburg die Zinkhüttenplatzsiedlung abreißen lassen. Doch nicht nur die Mieter des Arbeiterviertels begehren auf.

Die Stadt Duisburg ist am Ende. Schon länger drücken die Stadt die Schulden derart, dass jede Ausgabe über 5000 Euro von der Bezirksregierung in Düsseldorf genehmigt werden muss. Immer mehr Menschen ziehen aus Duisburg weg und suchen sich anderenorts eine neue Lebensperspektive. Da scheint es verständlich einen Investor mit offenen Armen zu empfangen und auf Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätze zu hoffen. Doch den Stadtverordneten Duisburgs hat die Freude über den möglichen  Strohhalm in der Not nicht nur ihr soziales Gewissen, sondern auch ihren Realitätssinn geraubt.

Die Lage für das geplante Factory Outlet ist aus der Investorensicht der German Development Group ideal. Direkt an der Autobahnausfahrt Obermarxloh  liegen zwei Grundstücke, die mit Gebäuden bebaut sind, für die die Stadt Duisburg schon länger eine Folgenutzung sucht. Es handelt sich um die 2001 geschlossenen maroden Rhein-Ruhr Hallen, die die Stadt aus Geldnot weder sanieren, noch halten kann und um das denkmalgeschütze, dem Verfall anheimgegebene, Stadtbad Hamborn. Auf diesem Areal  soll das neue Factory Outlet entstehen. Doch die 24 Millionen anvisierten Kunden im Einzugsgebiet, die auf 25.000 qm in den 140 Shops des Designer Outlet Village (Douvil) einkaufen sollen, brauchen auch fußläufige Parkplätze für ihren Einkaufbummel. Hier kommt nun das angrenzende Zinkhüttenplatz Viertel mit seinen 396 Wohnungen ins Spiel. Denn die Duisburger Arbeitersiedlung, die der weltberühmte Archiktekt Max Traut in den 60er Jahren realisierte,  ist dafür der ideale Ort. Und somit sind der Abriss der Siedlung, die Änderung des Bebauungsplans und die Errichtung von Parkplätzen auf dem Gebiet eine Forderung des Inverstoren. Der Stadtrat der Stadt Duisburg stimmte diesem Ansinnen mit nur einer Gegenstimme zu. Die Mieter erfuhren im Oktober 2011 aus der Zeitung, dass ihre Häuser abgerissen werden sollten und ihre Entmietung bis November 2012 vollzogen sein würde.

Seitdem wehren sich die Mieter gegen die Vertreibung aus ihrer Siedlung. Sofort nach Bekanntwerden der Abrisspläne sammelten sie über 400 Unterschriften und protestierten gegen dieses Ansinnen beim Immobilienkonzern Immeo, dem Besitzer der Häuser, zu einem Zeitpunkt an dem die Häuser wahrscheinlich längst verhökert waren. Die Immeo bemüht sich im Gegenzug seither die Mieter zum Auszug zu bewegen. Zwar wurden keine Kündigungen verschickt, aber die Mieter werden mit finanziellen Anreizen, neuen Wohnungen und kostenlosen Umzügen gelockt. Das geschieht allerdings nicht aus sozialem Gewissen heraus, sondern deswegen, weil beim Verkauf der Häuser an Immeo durch die Thyssen-Krupp Wohnimmobilien an die Immeo alle Mieter über 65 Jahre einen Kündigungsschutz erhielten. Ein Großteil der Menschen, die in der Zinkhüttensiedung leben, sind  über 65 Jahre und somit unkündbar. Etwa die Hälfte der Mieter ist auf die Angebote der Immeo, die für die Entmietung der Objekte zuständig ist, eingegangen und ist ausgezogen. Doch die andere Hälfte will bleiben. Denn die Siedlung ist Heimat. Viele leben seit 50 Jahren hier, andere fühlen sich zu alt, um sich in einer neuen Umgebung einzugewöhnen. An den Balkonen hängen Plakate mit Slogans wie „ Baggert uns nicht an“. Der Protest ist lebendig und wird von den Jüngeren und Rüstigen unter den Mietern unerlässlich aufrecht erhalten. Diejenigen, die nicht mehr genug Energie für die Arbeit in der Bürgerinitiative haben, versuchen zumindest noch zu den Protestaktionen zu erscheinen. Es hat sich ein harter Kern des Widerstandes herausgebildet. Doch immer wieder trägt die Zermürbungstaktik der Immeo und der German Development Group auch Früchte. Die Nerven von vielen alten Menschen liegen blank. Sie fürchten die Konfrontation, haben Angst irgendwann alleine in ihrem Haus zu wohnen. Für viele reicht auch schon der ständige Druck die Wohnung zu verlieren. Sie weichen, weil sie eben diesem nicht mehr Stand halten können, nicht weil sie wollen. Denn das Zinkhüttenplatzviertel, mit seinen großzügig auf Grünflächen verteilten Häusern, ist ihre Heimat.

Aber das Gefühl von Heimat und Verwurzelung zählt nichts im Duisburger Stadtrat. Hier geht die Rechnung eindeutig zugunsten der erwarteten Gewerbesteuer und zukünftiger Arbeitsplätze aus. Und genau hier beginnt die Realitätsflucht der Stadtverordneten. In die Shops des Factory Outlet Center zögen wohl hauptsächlich Konzernketten, die dann nur anteilig Gewerbesteuer zahlen müssten und somit weniger Geld in die Duisburger Stadtkasse spülen, als der bereits ortsansässige Einzelhandel in der Innenstadt, der durch das Center bedroht wäre. Beispiele dafür gibt es im Ruhrgebiet bereits in Gestalt des Oberhausener Shopping und Freizeit Centers Centro, der dem Einzelhandel weiträumig den Gar ausgemacht hat. Vor einer Wiederholung dieser Entwicklung in Duisburg warnt Christof Zöpel, der ehemalige  Landesminister für Stadtentwicklung und Wohnen in Nordrhein-Westfalen. Er versteht seine Parteigenossen von der SPD in Duisburg nicht, die dem Projekt nach anfänglichen Bedenken zustimmten.  Auch der Traum von 600-800 Arbeitsplätzen könnte nach der Realisierung des Projektes bald platzen.  Denn es scheint wahrscheinlich, dass die interessierten Firmen ihre Shops mit Mitarbeitern aus den eigenen Reihen besetzen. Etwa 50 zusätzliche Arbeitsplätze seien realistisch schätzt Professor Roland Günter, der Vorsitzender des Werkbunds Nordrhein-Westfalen, der den Abriss der Siedlung für einen sozial wie kulturell barbarischen Akt hält und fordert die Zinkhüttenplatzsiedlung unter Denkmalschutz zu stellen. Sowohl Zöpel als auch Günter gehören zu den Unterstützern der Bürgerinitiative in Duisburg Hamborn.  Doch der Duisburger Stadtrat ist für kritische Argumente nicht zugänglich. Dabei scheinen noch nicht einmal die Bonität und das Umsetzungsvermögen der German Development Group, vertreten durch ihren Geschäftsführer Roger Sevenheck, sicher zu sein. Der Wirtschaftprüfer und Oberbürgermeisterkandidat für Duisburg  Richard Wittsiepe nahm den Investor unter die Lupe und fand ein Firmengeflecht aus niederländischen und englischen Firmen, das, anhand seiner Recherchen, weder über geschäftlich erfolgreiche Referenzen verfügt, noch ein ausreichendes Investitionskapital ausweisen konnte, um ein 100-130 Millionen Projekt zu schultern. Er vermutet, dass es sich um Strohfirmen handelt und sagt dies öffentlich. Roger Sevenheck aber äußert sich zu diesen Vorwürfen nicht. Dabei ist Wittsiepe nicht der einzige, der vor dem Investor warnt. Bereits in Bonn wurde der Stadtrat vergeblich von der eigenen Stadtverwaltung und durch ein Gutachten eines renommierten Anwalts vor der Zustimmung zu einem ähnlichen Projekt wie in Duisburg gewarnt, da man das Gebaren Sevenhecks und der German Development Group für ungewöhnlich und undurchschaubar hielt . Angesprochen auf die Vorgänge in Bonn und befragt, ob er mit den Kollegen in Bonn schon einmal Kontakt aufgenommen hätte, antwortet der Duisburger Planungsdezernet Greulich von den Grünen in einem Beitrag des WDR: „Ich persönlich habe noch keinen Kontakt aufgenommen. Aber wir stehen in Kontakt mit Herrn Sevenheck und bis dato haben wir noch keinen Zweifel an der Bonität des Investors.“ Kurze Zeit später ist er für das WDR Team nicht mehr zu sprechen. Er sei mit anderen Aufgaben betreut lässt man die Journalisten wissen.

Am 7.10. haben die Mitglieder der Bürgerinitiative Am Zinkhüttenplatz das Wort Solidarität mit Kerzen auf ihre Grünfläche geschrieben. Es bleibt abzuwarten ob diese Solidarität unter den Mietern, ihr Widerstandswillen und die zunehmende Solidarität von außerhalb reicht, um die Verantwortlichen im Duisburger Rathaus zum Umdenken zu bewegen. Sachlichen Argumente scheinen sie jedenfalls nicht zugänglich zu sein.

Hier geht es zur BI:

http://www.mattern-duisburg.de/das-sind-wir.html

Hier geht es zur Online Petition:

http://www.avaaz.org/de/petition/Stopp_den_Bau_des_FOC_in_Duisburg_Hamborn/?launch

Nachtrag: Die Immeo hat für den Sozialverträglichen Umzug 7 Millionen Euro veranschlagt. Laut der BI Zinkhüttenplatz bekamen die Auszugswilligen im Schnitt nicht mehr als 2000 Euro. Das macht bei 396 Mietverhältnissen, selbst wenn man da noch satt etwas draufschlägt nicht mehr als 100.000 Euro. Das wären dann etwas über 10 %.