Verhaltensgestörte junge Menschen in neuen T-Shirts

Eine Textperformance

Weißt Du, ich habe gestern noch ein richtiges Arbeitsgespräch mit ihr geführt. Das war unheimlich anstrengend, richtig intensiv, da kam unheimlich viel raus und ich glaube es war sehr wichtig für sie.

Ich weiß genau, was Du meinst. Auch im Job ist das ja manchmal immanent wichtig, mal so ganz konzentriert den Sachen auf den Grund gehen.

Und Positionen zu beziehen. Ganz genau hinschauen, wo man steht und das dann auch vertreten.

Aber Du musst dann auch ganz ehrlich sein und gut argumentieren.

Und diplomatisch sein.

Genau. Diplomatie ist wichtig. Man will ja niemanden verletzen.

Im Job braucht man aber auch immer ein klares Ziel das man verfolgen kann.

Im Privaten doch auch. Ein Ziel ist wichtig.

Kann man ein erfolgreiches Privatleben führen?

Es gibt ja nicht nur schwarz und weiß, sondern auch Grauzonen.

Und genau in diesen undifferenzierten Zuständen sehe ich ja die Chance für Veränderung.

Das Leben zwingt einen ja immer wieder Positionen zu beziehen.

Auch unangenehme, die vielleicht schmerzen.

Schmerz kann sehr wichtig sein.

Im Job, wie in der Beziehung.

Es gibt ja manchmal so Situationen da ist man ganz unsicher und verletzlich, steht aber voll an der Front.

Du willst dann nur weglaufen und das Leben lässt Dich einfach nicht.

Ob das irgendwann mal aufhört.

Man muss da unheimlich auf sich Acht geben.

Gut mit sich umgehen. Das haben wir einfach nicht gelernt.

Und Positionen beziehen. Wahrhaftig sein.

Ich finde ja, man muss sich auch Kraftreserven schaffen. Für diffizile Situationen. Wenn der Tank leer ist. Dein Chef will nen Output, Deine Beziehung stellt Ansprüche. Wenn Du dann in der Krise bist, brauchst Du eine Reserve, die Dich da durchbringt.

Du, da muss aber jeder seinen eigenen Weg finden.

Mein Weg ist nicht Dein Weg. Und umgekehrt.

Irgendwie ist Individualität ja auch ein kostbares Gut.

Nur,  wo beginnt da der Egoismus? Es ist eine fließende Grenze.

Und davon gibt es so viele im Leben.

Auch in der Selbstfindung.

Müssen wir nicht trotz allem manchmal einfach nur die Zähne aufeinanderbeißen und bestehen?

Da hast Du Recht. Nehmen wir uns nicht oft zu wichtig?

Ich muss Dir da widersprechen. Grundvoraussetzung andere Menschen ernst zu nehmen ist doch, dass ich mir wichtig bin. Ich will da einfach klar sein.

Kommunikation ist doch alles. Ich mein jetzt nicht nur Handys und Internet. Nein auch Gespräche. Von Mensch zu Mensch. Miteinander.

Und sich nicht in der Belanglosigkeit verlieren.

Oberflächlichkeit ist doch die Geißel unserer Zivilisation. Unser Überlebenskampf hat sich da irgendwie total verlagert.

Genau meine Meinung. Ich hatte da letztens so ne total abgefahrene Erfahrung im Wald mit ner Gruppe von Leuten. Kannte die alle irgendwie vom Job und so. Wie man sich halt so kennt. War super tiefgehend und strange. Nur so unter Männern im Wald, n ganzes Weekend. Da hast Du mal wieder so richtig den Jäger in Dir gespürt.

Das kannst Du dann in der Beziehung aber doch nicht ganz so 1:1 umsetzen.

Aber er hat schon Recht. Man muss manchmal so ganz knallhart Back To The Roots.

Im Job muss man ja auch Stärke zeigen und manchmal die Führung übernehmen.

Ich glaube ja auch, dass es machbar ist, die Urkräfte in uns auf unser modernes Leben zu übertragen.

Alles eine Frage der Motivation.

Im Job, wie in der Beziehung.

Letztendlich bist du doch immer die Summe aller Teile.

Ja, und auch das, was Dich umgibt und Dir widerfährt, gehört irgendwie zu Dir.

Ist das dann ein Zeichen von Unklarheit, wenn es nicht so läuft wie ich es will?

Find ich schon. Man muss für sich selbst die Verantwortung übernehmen.

Mich killt jetzt einer. So amokmäßig oder so. Dann bin ich selbst schuld?

Schwierige Frage. Vielleicht wolltest Du gar nicht mehr leben und hast es nur nicht gewusst.

Und hättest verpennt, wenn Du weiterleben wolltest und lägst noch im Bett und kriegst einfach nur nen Anschiss in der Firma.

Oder zuhause einen geblasen.

Qualifizierte Zwischenbemerkung.

Fick Dich selbst.

Jetzt mal im Ernst. Wenn ich beim Sex sag was ich will, krieg ich es noch lange nicht so gemacht.

Achte da mal auf Deine Wortwahl. Du willst es gemacht bekommen. Das ist irgendwie so passiv.

Gibt ja auch Zeiten, da will man auch passiv sein.

Kann man eigentlich aktiv passiv sein?

Beim Sex?

Ich glaube, man kann es zumindest aktiv bestimmen, für einen gewissen Zeitraum passiv zu sein.

Ja, und dann lässt Du es halt ganz passiv auf Dich zukommen, wann Dich die Aktivität wieder ins Leben kickt.

Abgefahren.

Braucht man aber irre viel Klarheit für.

Und Offenheit

Wenn Du Dir nen guten Draht zu Deinem individuellen Fahrplan erarbeitest, kann das echt funktionieren.

Ich glaub da ja mehr ans Unbewusste.

Siehst Du da nen Widerspruch?

Im Job, wie in der Beziehung.

Past-Present-Future. Das ist die Dreifaltigkeit unserer Zivilisation.

Musst Du aber auch zusammenbringen.

Ein Part übernimmt da immer die Führung.

Ist doch aber auch OK. Im Job gibt es auch immer einen, der die Führung übernimmt.

Und wenn Du Deine Parts auf Linie hast, bist Du das nämlich.

So eine Führungspersönlichkeit kommt von innen heraus. Das merken die anderen

Wir sind doch gar nicht mehr in der Lage uns anderen so zu zeigen wie wir sind, uns zu offenbaren in unserer anonymen Gesellschaft.

Wer kennt schon noch seinen Nächsten.

Den man ja lieben soll.

Ich glaube ja die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei.

Im Job, wie in der Beziehung.

So richtig durchstarten, das funktioniert doch nur noch im Team.

Es gibt immer einen Leader, der extra absahnt.

Man muss für sich selbst erfolgreich sein.

So ein Bewusstsein macht Dich irgendwie auch irre unabhängig.

Hat schon auch was mit Dualität zu tun.

Oben und unten.

Schwarz und weiß.

Im Job, wie in der Beziehung.

So richtig kompliziert wird es doch erst, wenn Du Dich im Job verliebst. Da knallen doch zwei ganz wichtige Lebensbereiche so richtig aufeinander und bringen alles durcheinander. Das musst Du erst einmal schaffen, Emotionalität von Professionalität abzugrenzen.

Voll die Gradwanderung. Eigentlich kannst Du da nur verlieren.

Aber wenn Du wirklich liebst, das gibt Dir doch eine unglaubliche Kraft. Da kannst Du ganz viel schaffen. Und Du strahlst unheimlich viel Positives aus.

Und das kommt ja auch dem Team zugute.

Man braucht da halt einen Anker für die rosarote Wolke.

Und den kannst Du Dir auch mental erschaffen.

Wenn Du ganz klar bist, ist Liebe gar nicht so verwirrend.

Du musst Dir eben im Klaren sein, dass Du diese Liebe auch verdienst.

Ja, klar. Ich bin ein echt cooler Typ und werde geliebt. Hey, leb das erst mal.

Also, so negativ wie Du da rangehst, kann das auch nichts werden.

Klar gibt es da auch Rückschläge.

Rückschläge können einen aber auch weiterbringen, wenn man sie annimmt.

Im Job, wie in der Beziehung.

Haben wir in unserer modernen Gesellschaft nicht gerade auch deswegen solche Beziehungsprobleme, weil wir die Auseinandersetzung fürchten.

Da sind ja wohl eher unsere Bindungsängste für verantwortlich.

Da stellt sich mir die Frage: Sind wir nicht mittlerweile viel zu komplex und kompliziert, um uns zu binden?

Macht das überhaupt noch Sinn, so langfristig?

Auf den Punkt gebracht beraubt uns die Zivilisation der Liebe.

Wo bleibt denn da Deine Eigenverantwortung?

Na ja, früher, so als Bauern, da war das Team ja noch zuhause.

Da gab es nur einen Bereich, um den man sich kümmern musste. Das war viel einfacher.

Im Job, wie in der Beziehung

Als Tiere wären wir doch viel glücklicher. Auf unsere Instinkte reduziert. Essen, Schlafen, Sex.

Wir würden wirklich gewinnen, wenn wir unseren Instinkten wieder mehr Raum gäben.

Ja unsere Sexualität ist doch ganz oft so abgekoppelt.

Wir trennen viel zu viel. Auch diese Trennung von Öffentlichem und Privatem. Da sind uns die Medien weit voraus.

Außer, Du vögelst im Park.

Qualifizierte Zwischenbemerkung.

Man muss doch aber auch in der Lage sein, mal über die dunkle Seite der Sexualität zu sprechen.

Im Job, wie in der Beziehung.

Ich finde Sex wird total überbewertet. Essen ist ja auch keine Erfahrung, sondern reine Instinktbefriedigung.

Essen kann durchaus zur Erfahrung werden, wenn Du es dazu machst.

Jeder hat da doch seine eigene Wertetabelle.

Das ist jetzt so mathematisch.

Da können auf einmal Sachen in deinen persönlichen Top 10 erscheinen, die vorher total unwichtig waren.

Und auch wieder verschwinden.

Wie in den richtigen Charts.

Wo aber bleibt da die Konstanz?

Ich glaube das konstante Moment haben wir nun wirklich verloren. Aber können wir zurück?

Vielfalt kann doch auch eine Konstanz darstellen.

Unsere eigene Komplexität trifft auf einen komplexen Raum.

Wo aber bleibt die Ruhe.

SCHWEIGEN

Ich habe da gestern noch was brachial aufregendes erlebt. Das hat mich irgendwie auch total verändert. Ich seh jetzt viele Sachen ganz anders. Auch so auf meine eigene Geschichte bezogen. Darf man ja auch nicht vergessen, wo man so herkommt. Also, ich hatte da so ein Gespräch mit ner Freundin. Und die hatte sich gerade getrennt und war ganz verwirrt und konnte das gar nicht jetzt so einsortieren im Moment. Sie wollte jetzt dann so n Rat von mir, wie sie denn damit umgehen soll. Ich allerdings war grad in nem ganz anderen Kosmos gefangen, so voll aufm Jobtrip und war noch mit ganz vielen Spin-Off-Projekten beschäftigt. Das war voll der Konflikt, ich war ja eigentlich gar nicht bereit mich jetzt so voll einzulassen auf ihre Geschichte. Und dann hab ich gedacht: Hey, alles eine Frage der Motivation. Machst Du im Job ja auch, wenn es schwierig wird. Sich motivieren, mein ich, damit es klappt. So zielgerichtetes Wollen und so.

Schnauze (aus dem OFF)

Freundschaft, ja so ne richtige Freundschaft ist soo schön, wenn Du Dich echt auch mal auf jemand anderen einlässt, ohne diese sexuellen Hintergedanken.

Schnauze (aus dem OFF)

Oder nimm mal die Musik.  So ein guter Beat. Wenn Du den richtig körperlich spürst und der so durch deine Gehirnwindungen saust und Du gar nicht anders kannst, als das sofort auch in Bewegung umzusetzen und sich Dein Denken völlig ausschaltet. Du auf Deinem ganz eigenen Trip …

EIN SCHUSS

Ich glaub ja, auch der Tod ist irgendwie einfach nur eine Veränderung.

ENDE

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